Author: mattias

  • Unix ist tot… 2009

    Mehr als mißverständlich ist Gartners Studie, die im Kaffeesatz liest, dass es nach 2009 keine neuen Unix-Anwendungen gäbe. Klingt grausam? Wer näher hinschaut, muss feststellen, dass nicht etwa Unix plötzlich ohne Anwendungen dastehen soll, sondern nur die Rede ist von Anwendungen, die bislang ausschließlich für große, fette, unfreie Unices entwickelt wurden. Das ist bereits weitestgehend der Fall, lediglich einige sehr spezielle Anwendungen wie Opels FE-System “Regatta” benötigen Software, die auf ein Gesamtsystem (Hard- und Software) optimiert wurde.

    Die Rolle des Brot- und Butter-UNIX von PDA bis zur zSeries hat bereits vor Jahren Linux übernommen. Dass sich damit nicht unbedingt die technisch beste Lösung durchgesetzt hat, kann ich verkraften, alleine der durch Linux erreichte Grad an Homogenität gegenüber der Situation vor etwa zehn Jahren ist eine deutliche Erleichterung für Anwender und Admins. Wirklich sterben werden die großen Unices nicht so schnell — they’ll just fade away — wenn es dann aber soweit ist, finden Dateisysteme und Konzepte aus “fremden” Kerneln den Weg in Linux und die BSDs.

    Schon viele sterbende Sterne haben neue Sonnen geboren.

  • Fünf Listen, die keiner braucht

    Es grassiert die Listenmanie. Mitzuspielen ist ganz einfach: Man stellt eine Liste zusammen mit Dingen die vermeintlich etwas miteinander zu tun haben und tut dies in einer Art und Weise, die jede Kompetenz für das Subject oder einen thematischen Faden vermissen lässt. Mit etwas Glück wird man dann von einem Alphablogger verlinkt, der sich über die Liste lustich macht. Link bekommen. Nix dafür bezahlt. Ziel erreicht. Chris von FIXMBR bezeichnet diese Art des Spams als SEO-Porn und die Urheber als Trafficnutten. Recht hat er. Deshalb meine Meta-Liste mit Listen, die niemand braucht: (more…)

  • Schrott wird flott (X-Link)

    In meinem privaten Blog entsteht derzeit eine kleine Serie zum Wiedernutzbarmachen eines alten Subnotebooks (im konkreten Fall geht es um ein Fujitsu-Siemens Lifebook B142). Die Installation auf dem Gerät ohne CD-Laufwerk und Netzwerkkarte dürfte auch den einen oder anderen Rootserveradmin interessieren, der für unterwegs ein billiges, leichtes “Admin-Frontend” sucht und darauf Linux installieren möchte:

  • Schrott wird flott: Touchscreen des B142

    Bereits vor acht Jahren brachte Fujitsus B-Serie einen Touchscreen mit, der die Bedienung deutlich erleichterte — wenn die Kalibrierung erfolgreich war. Zwischenzeitlich waren die (praktisch nur für Fujitsu-Siemens B-Serie Geräte und einige Vaios) geschriebenen Treiber verschwunden, sind aber nun dank der UMPC-Manie in vielen Distributionskerneln und X.org-Distributionen enthalten. Die im Folgenden beschriebene Einrichtung sollte sich in ähnlicher Weise auch auf modernen Geräten durchführen lassen. Beachten Sie bitte: Die Anleitung bezieht sich auf X.org 7.2 oder höher, bei älteren Versionen kann auf einige Detaillösungen verzichtet werden.

    Vorbereitung

    Achten Sie zunächst darauf, dass das Kernelmodul evdev geladen ist. Es stellt die Kernelschnittstelle zum Event basierten Touchscreen-Treiber zur Verfügung. Daneben muss der X.org-Treiber xserver-xorg-input-evtouch installiert sein. Die Anleitung des Evtouch-Entwicklers rät zudem noch dazu, einen Dummy-Treiber zu verwenden, der PS/2-Mausevents abfängt und ins Datennirvana umleitet. Das ist notwendig, weil der Touchscreen am PS/2-Bus hängt, und neben den rohen Events PS/2-Mausevents liefert. Ist zudem der Knubbel aktiv und eine externe Maus eingesteckt, sind drei Quellen für PS/2-Events verfügbar, die nicht unterschieden werden können. Da bei mir die Dummy-Lösung fehlschlug, habe ich per UDEV-Regelsatz die Gerätedateien /dev/input/mice und /dev/input/mouse0 stillgelegt. Einziger Nachteil dieser Lösung: USB-Mäuse dürfen erst angesteckt werden, wenn der X-Server gestartet ist (kann mit einer weiteren UDEV-Regel behoben werden). Die UDEV-Regel (in der /etc/udev/rules.d/40-permissions.rules): (more…)

  • Goodbye, FreeBSD — Hello Ubuntu!

    Es ist soweit. Nach fast acht Jahren FreeBSD und praktisch nahtlose Updates seit FreeBSD 3.2 bis 6.2 steht nun eine Ablösung auf meinem Desktop an. Das beste wird durch das zweitbeste aller Betriebssysteme ersetzt. Die Gründe sind vielfältig, aber der Schritt zu Linux ist nun einfach vernünftiger:

    • Virtualisierung: Ich erstelle zur Zeit viele DVDs für Computerzeitschriften. Qemu ist nicht immer ideal zum Testen, ich möchte in Zukunft auch VMware nutzen können — Und gerade modifizierte Linux-Live-CDs lassen sich besser unter Linux bauen und testen
    • Chroot: Ich muss in der Lage sein, schnell und einfach mehrere Linux-Chroot-Umgebungen für Kundenprojekte nutzen zu können. Mit FreeBSDs Linuxolator geht das zwar, aber nicht immer optimal
    • Datenaustausch: Wir haben hier mittlerweile einiges an externen Festplatten, die EXT3 formatiert sind — das lässt sich mittlerweile fast so gut als Austauschmedium verwenden wie FAT. Dazu kommen mit SquashFS statt ISO9660 erstellte DVDs — proprietär, aber auch das geht mit Linux
    • Ich will Spaß: Mein Garmin GPS 60 möchte ich auch am Desktop auslesen können, fürein Flash-Plugin möchte ich keine Verrenkungen in Kauf nehmen und das N800 soll auch unter Linux flashable sein

    Ein FreeBSD-Rechner bleibt wohl im Büro, sei es nur zu Testzwecken. Auf dem Server werde ich bei FreeBSD bleiben. Ich betreibe zwar auch drei Server mit Xen und einigen Linux-Instanzen, aber FreeBSD hat doch den einen oder anderen Vorteil: (more…)

  • Die Menschenwürde war unantastbar

    Am Wochenende schockierte Verteidigungsminister Jung mit der Wiederholung einer bereits 2006 gemachten Aussage, erwürde auch ohne gesetzliche Grundlage entführte Passagiermaschinen abschießen lassen. Dabei berief er sich auf ein “Recht des außergesetzlichen Notstandes”. Doch so ein Recht gibt es nicht: der außergesetzliche Notstand ist ein Gnadeninstrument, das im Einzelfall Straffreiheit zulässt, wenn jemand auf Grund einer Güterabwägung ein Verbrechen begangen hat. Dass die Güterabwägung “Leben gegen Leben” nicht in ein Gesetz gegossen werden kann, weil es das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit missachtet, hat das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2006 klargestellt. Ein Verteidigungsminister, der dennoch den Befehl zum Abschuss einer Passagiermaschine gibt, müsste sich zumindest des Totschlags bezichtigen lassen und darauf hoffen, dass ein Gericht Gnade walten lässt und er straffrei ausgeht.

    Doch stattdessen wird der “übergesetzliche Notstand” in den Rang eines Gesetzes, ja gar eines einforderbaren Rechtes erhoben. Verteidigungsminister Jung schart schon für den Ernstfall loyale Piloten um sich herum und der Generalinspektor der Luftwaffe Klaus-Peter Stieglitz erinnert Piloten daran, dass sie Befehle auszuführen haben. Dass ein Pilot in Ausübung seines Dienstes keine Verbrechen begehen darf, auch wenn sie ihm befohlen werden, unterschlägt Stieglitz geflissentlich.

    Unser Grundgesetze, ein Soldatengesetz, dass keine Verbrechen in Ausübung des Dienstes duldet und die Vereidigung der Soldaten auf die Verfassung anstatt auf ihren Dienstherren waren Lehren aus einer dunklen Phase unserer Geschichte. Wenn nun ein Verteidigungsminister einen möglichen Gnadenakt nach einem Totschlag zu einem einforderbaren Recht umdeutet, wie lange wird es wohl dauern, bis “unkonventionelle Verhörmethoden”, in denen niemand getötet, nur “ein wenig unangenehm behandelt wird” zur Verhinderung eines größeren Verbrechens mit dem gleichen Recht eingefordert werden?

  • Der Büro-Bootserver: PXELINUX im Praxiseinsatz

    Mit dem Umzug unseres büroweiten DHCP-Servers auf eine eigene Xen-Instanz haben wir die Gelegenheit genutzt, auch den Bootserver neu aufzusetzen: Für Distributionstests, Arbeiten an Kundenrechnern oder Backups — die leichter durchzuführen sind, wenn keine geöffneten Dateien vorliegen — leisten wir uns schon seit einer Weile eine Xen-Instanz, die PXE fähige Clients mit einer Auswahl verschiedener via Netzwerk gestarteter Systeme und Linux-Installer zu versorgen. Viel Aufwand ist das Aufsetzen eines Bootservers nicht: Es genügt ein richtig konfigurierter DHCP-Server und ein TFTP-Daemon. Hilfreich, aber keinesfalls zwingend erforderlich ist ein NFS-Server. Linux-Distributionen und BSDs, die einen NFS-Server benötigen, werde ich deshalb zu gegebener Zeit separat behandeln.

    Erster Schritt: DHCP-Server

    Erster Schritt bei der Konfiguration ist der DHCP-Server, ideal ist die weit verbreitete und extrem konfigurable Version des Internet Software-Consortiums, die bei debianesken Distributionen als dhcp3-server verfügbar ist. Sollte ein DHCP-Server im DSL-Router vorhanden sein, deaktivieren Sie diesen dauerhaft: Zwei DHCP-Server, von denen einer Boot-Informationen ausliefert und der andere nicht, können ganz schön Verwirrung stiften. Eine kompakte, aber für den Start per PXE ausreichende Konfigurationsdatei /etc/dhcp3/dhcpd.conf kann wie folgt aussehen: (more…)

  • Schrott wird flott: Linux auf dem FSC B142

    Ende der 1990er waren Subnotebooks auch hierzulande ziemlich populär. Zu besten New Economy Zeiten war es en Vogue, mit einem Toshiba Portégé, Toshiba Libretto oder der Fujitsu Siemens B-Serie unterm Arm beim Kunden aufzutauchen. Dem Trend konnten wir uns auch nicht verschließen und so bekam Jochen ein Portége 3010CT und ich kurz darauf ein etwas dickeres Fujitsu Siemens B142. Beide waren bis etwa 2003 unter Linux oder FreeBSD im regulären Einsatz und verschwanden danach in einer Krustelkiste. Die Debatte um Billigst-Subnotebooks vom Schlage eines Asus EEE (insbesondere bei Robert Basic) hat mich nun dazu bewogen, das B142 wieder rauszuholen und zu schauen, wie es sich unter heutigen Bedingungen schlägt. Ziel ist es, ein altes Subnotebook mit robustem Magnesiumgehäuse mit Linux und der richtigen Software zum ernsthaften Konkurrenten moderner Billigrechner zu machen.

    Hardware

    • Gehäuse: Magnesium, etwa A5-Format, 30mm dick
    • Display: TFT, 8,4 Zoll Diagonale 800×600 Pixel mit PS/2-Touchscreen
    • RAM: 32MB fest eingebaut, aufgerüstet mit einem SO-SDRAM auf maximal 160MB
    • Prozessor: 300MHz Mobile Celeron “Mendocino”
    • Grafikkarte: Neomagic NM2160, 2MB Grafikspeicher (genug für 800×600@24Bit oder extern 1024×768@16Bit)
    • Festplatte: 2,5 Zoll, normale Bauhöhe; Original 4,3GB, aufgerüstet auf 40GB; BIOS-Obergrenze bei 64GB (darüber möglicherweise Bootprobleme)
    • CDROM: Extern, PCMCIA, nicht bootfähig
    • Diskette: Extern am Portreplikator
    • PCMCIA Ein Schacht, Cardbus tauglich
    • USB: 2 Ports USB 1.0, nicht bootfähig
    • Netzwerk: nicht vorhanden

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  • Dacia Logan Steilheck: Renault Sandero

    Dacias Neuheiten scheinen auf der IAA nichts zu suchen zu haben. Praktisch zeitgleich mit der Pickup-Vorstellung in Bukarest wurde in Südamerika die Steilheckversion des Logan präsentiert: Der Renault Sandero. Erstaunlich, wie frisch das Renault-Gesicht den sonst eher biederen Logan doch macht. (via Autoblog Spanish / Gallery / Pressemitteilung)

    Der Sandero wird im gleichen brasilianischen Werk hergestellt wie die in Mexico als “Nissan Aprio” verkaufte Stufenhecklimousine. Mit vier (fünf, wenn man den Van als separates Modell betrachtet) Karosserievarianten ist die Modellreihe damit zunächst komplett. Im Gegensatz zu den kommerziell einsetzbaren Versionen (Pickup, Van, MCV) wird der Sandero wahrscheinlich nicht nach Europa kommen. Er dürfte preislich zu nahe am neuen Twingo liegen und von der Größe zu nah am neuen Clio.

  • Endlich wieder ein Dacia für den Schaftransport

    Bei unseren Reisen durch Rumänien sind wir immer wieder auf Dacias in den unmöglichsten Ladezuständen gestoßen. Die heissesten Beladungen lassen sich natürlich mit einem Pickup durchführen. Der auf dem Renault 12 basierende wurde leider vor zwei Jahren eingestellt, aber jetzt gibt es wieder einen:

    Dacia Logan Pickup

    Wie beim Fiat Strada und Opel Corsa Pickup dienen kleine Dreiecksfenster als Ausgleich für die realativ kurzen Limousinentüren. Ob der neue ganz an den alten rankommt, wird sich zeigen müssen: Der alte Dacia Pickup basierte zwar auch auf der Limousine mit Frontantrieb, bekam aber bald — dem Längsmotorlayout sei dank — erst Heck- und dann Allradantrieb. Ganz so einfach wird es beim Quermotor des Logan nicht. Dennoch: Einen Allradantrieb für die vom Logan verwendete Plattform hat Nissan im Programm — der Cube ist mit elektrischem 4×4 (offizielle Nissan-Seite zu e·4WD) erhältlich.

    Pressefoto: daciagroup.com

    PS: Fast vergessen hat die versammelte Journaille, dass es den normalen Logan jetzt auch mit dem 85PS-Diesel (VGT-Lader?) gibt. Damit dürfte zumindest der MCV in beladenem Zustand ordentlich motorisiert sein. Eine fast leere 70PS-Limousine fand ich zumindest auf der Landstraße akzeptabel motorisiert.