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  • Geschäft mit der Angst

    Dass hier mit Blei gestrecktes Gras auf dem Markt ist/war, dürfte sich langsam herumgesprochen haben. Im Süden der Stadt versuchen Kliniken, Gesundheitsämter, “Drugscouts” (Drogenpfadfinder???) etc. mit anonymen kostenlosen Tests auf Blei Gesundheitsgefährdungen möglichst gering zu halten. Allerdings dürfte bei der kiffenden Bevölkerung das Vertrauen in staatliche und städtische Institutionen nicht besonders groß sein.

    Das hat Trittbrettfahrer auf den Plan gerufen:

    Von der Wirksamkeit solcher Mittelchen kann man sich anderswo ein Bild machen

  • Endlich wieder motorisiert

    Seit gestern haben wir unser “neues” Auto, einen neun Monate alten Peugeot 307 SW in Oxygo-Ausstattung mit dem 100kW-Diesel (340Nm bei 1800¹/min) und wenig Schnickschnack. Warum den Peugeot? Nun, wir hatten uns recht früh auf den Motor festgelegt, ein DW10BTED4 sollte es sein und der ist mittlerweile in recht vielen Fahrzeugen verbaut: Ford Focus, Mondeo, Volvo V50, V70 und eben der gesamten PSA-Modellpalette. Der Volvo V50 war das hübschere Auto, leider mit deutlich kleinerem Laderaum. Neue V70 sind noch relativ teuer und bieten nur wenig mehr Platz (nimmt man die Sitze ganz raus, hat sogar der 307SW mehr Kofferraum). Dazu kam das Glasdach und die leichte Van-Anmutung des einige Zentimeter höheren 307.

    Nicht zu schlagen natürlich der Preis: Peugeot Deutschland baut gerade 307 Break und SW in eigenen Beständen ab, schließlich soll im April der Nachfolger 308 SW kommen. Der steht auf der gleichen Plattform und bietet damit bei kaum gewachsener Außenlänge praktisch die gleichen Innenraummaße. Wer sich etwas umschaut, findet 307er mit vierstelligen Kilometerzahlen zu Preisen deutlich unter denen neuer 207SW. Wenn dann ab April der 308SW ausgeliefert wird, dürfte ein weiterer Schwung recht junger 307 SW auf dem Markt landen. Mehrwertsteuer ist immer ausweisbar, weil Fahrzeuge für Mitarbeiter an diese “vermietet” wurden — was eben zur Folge hatte, dassPeugeot Deutschland Eigentümer blieb.

    Achja, unseren 307er haben wir von Autohaus Walter Hagen GmbH, einem relativ kleinen Händler in Grünau, der bislang Filiale von Peugeot Sachsen war. Seit das Autohaus unabhängig ist, spürt man als Kunde die größere Flexibilität — hinsichtlich der Preisgestaltung genauso wie bei der Bereitstellung eines Werkstattersatzwagens, wenn die Versicherung mit der Doppelkarte nicht vorwärts kommt…

  • Those were the days…

    Lange hat er uns begleitet, jetzt ist es vorbei. Nach vier Jahren, über 80.000 gemeinsamen Kilometern und vielen gemeinsamen Erlebnissen mussten wir uns leider von unserem Peugeot Partner trennen. Ich kann nicht sagen, dass er unser zuverlässigstes Auto war: Wenn man Mechaniker ist und in sein Fahrzeug reinhorchen kann, repariert man rechtzeitig — so waren der dunkelrote BX (auch mit dem XUD9 des Partner) oder das Schlachtschiff Peugeot 505 Commerciale (mit dem alten Indénor XD3) mit 0 Defekten noch besser (beim 505 auch nach 350.000). Das “Partnerchen” hat uns zweimal im Stich gelassen: Einmal mit verstopftem Kraftstofffilter, einmal mit Federbruch (“Grüße aus Sochaux“) — und jetzt mit einer defekten Kupplung. Auch die hatte 280.000km drauf (Danke, Valeo, gute Arbeit) und hat sich einfach zerlegt.


    Eigentlich war ein einfacher TÜV 01/2010 geplant: Die Bremsen hinten waren bereits repariert, vorne waren Scheiben und Beläge fällig.
    Typischer Verschleiss, nichts wildes, mit wenig Aufwand ein paar gemeinsame Monate bis zum Verkauf. Doch vor ein paar Tagen zerstörte ein Steinschlag die Windschutzscheibe und dann folgte die Kupplung. Da wir sowieso seit mehreren Monaten auf der Suche nach einem neuen waren, nahmen wir den Schaden zum Anlass, Nägel mit Köpfen zu machen.

    Käufer des Partners wurde Oleksandr Rodzinskyy (ja, das doppelte ‘y’ ist Absicht), einer der wenigen Gebrauchtwagenhändler, der mir auf Anhieb als angenehmer Zeitgenosse auffiel — und glaubt mir: Gebrauchtwagenhändler habe ich in meiner aktiven Zeit viele kennengelernt und auf Visitenkarten-an-die-Scheibe-Stecker habe ich keine Lust. Wer sich also für den kleinen, im Unterhalt günstigen Transporter interessiert, sollte mal auf seiner Seite “Automobile Mockau” bei mobile.de vorbeischauen. Wir haben den Partner gut gewartet, Bremsen hinten erst komplett gemacht, daneben komplette Federbeine vorn, Generator und Kühler, eine Katze im Sack kauft Ihr also nicht. Lasst Euch nicht von den 280.000km stören: Da ist viel Langstrecke dabei und die Mechanik des Partners ist prinzipiell robust.

    Fortsetzung folgt: Morgen soll der Nachfolger erworben werden.

  • SuSE 10.0 discontinued

    Die Ende 2005 erschienene SuSE 10.0 war die erste Nürnberger Distribution mit offener Beta-Phase, im Gegensatz zu den Vorgängern war sie sofort als Open Source Variante zum Download verfügbar. Angesichts der recht konservativen Softwareauswahl wäre aus technischer Sicht die Versionsnummer 9.4 wohl angemessener gewesen. Dennoch erlangte die 10.0 bei Providern nicht die Beliebtheit der Vorgängerversion 9.3.

    Nun ist es also so weit: 10.0 wird abgekündigt, es folgen keine Updates mehr. Wer noch eine 10.0 oder 9.3 fährt, sollte schleunigst auf eine neuere Version umsteigen. Leider war der Update-Pfad in den letzten zwei Jahren bei SuSE besonders steinig: Gerade der zuerst in 10.1 eingeführte und den folgenden Versionen wieder entfernte Zenworks Management Daemon zickt gerne — eine saubere Neuinstallation ist deshalb oft die beste Lösung, glücklicherweise ist die per VNC problemlos durchzuführen, auch wenn man keinen physikalischen Zugriff auf den Server hat.

    Mein Kritikpunkt der letzten Abkündigung, dass einige Anbieter von Rootservern noch die abgekündigte Version im Angebot haben, ist dieses Mal nicht nötig: Die meisten großen haben den direkten Sprung von 9.3 auf 10.1 vollzogen. Spannend wird es also wieder in sechs Monaten, wenn 10.1 abgekündigt wird.

  • Es ist also ein Berlingo…

    Dass Nutzfahrzeuge länger haltbar sind als gewöhnliche PKW ist nichts Neues. Elfeinhalb Jahre ohne Änderungen an der Plattform sind dagegen nicht schlecht — heute wurde der neue Berlingo vorgestellt: (more…)

  • Durchgereicht: PCI passthrough bei Xen 3.2rc

    Update, 17. Januar 2008: Xen 3.2 final wurde heute veröffentlicht. Golem berichtet darüber.

    Ein großes Problem bei vielen Virtualisierungstechnologien ist die fehlende Möglichkeit, in einem Gastsystem “rohen” Zugriff auf einzelne Hardwarekomponenten zu erhalten. Zwar bieten VMware und andere das Durchreichen von USB-Geräten, doch das ist eine Lösung, die für physikalisch vom Netz des Wirts getrennte Firewalls oder RAID-Subsysteme nicht wirklich akzeptabel ist. Eine interessante Abhilfe bietet Xen, wo mit vertretbarem Aufwand Gäste direkten Zugriff auf PCI-Karten bekommen.

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  • Apfelmus

    Leopard gekauft: 129€. Ein 1GB-SO-DIMM DDR1-400MHz: 79€. Eine externe USB-Festplatte für “Time-Machine”: 111€. Nach der Installation von Leopard ein langes Gesicht gemacht, weil iPhoto nicht wie vermutet beim OS mitgeliefert wird, sondern 69€ extra kostet: unbezahlbar.

    Vor bald drei Jahren (Ende Januar 2005) erwarb ich günstig ein PowerBook G4 der damals auslaufenden Serie ohne Beschleunigungssensor. Sagenhaft günstig für 1050€ netto. Die ganze Zeit lief OS X 10.3 auf dem Gerät. Open Source Software war zu Zeiten von 10.4 auch noch für die “Legacy Version” zu bekommen. Mit OS X 10.5 ging die Zahl der Softwareangebote für 10.3 zurück und so entschloss ich mich, auf 10.5 aufzurüsten. Mit einer Ubuntu-Live-CD und einer wüsten Pipeline der Form:

    dd if=/dev/hda | gzip -c | ssh ich@192.168.1.23 "cat > /tmp/g4.img.gz"

    entstand zunächst ein Image der alten Platte — schließlich hatte man ja schon allerhand Beunruhigendes über Leopard gehört und deshalb wollte ich auf Nummer sicher gehen. Die Heimatverzeichnisse sicherte ich nach Login als Root (mit sudo passwd root vergibt man ein Passwort) mit rsyncX auf eine HFS+-formatierte USB-Platte (/usr/local/bin/rsync -avP –eahfs /Users/ /Volumes/Ziel/Users/).

    Die Installation führte ich schließlich mit Löschung des alten Startvolumes durch, ich wollte auf Nummer sicher gehen. Tatsächlich kam es danach zu keinen großen Problemen. Das “rsync” von OS X 10.5 beherrscht nun extended attributes, was die Wiederherstellung vereinfachte (-E statt –eahfs) und praktisch alle Anwendungen waren so schnell mit den alten Einstellungen nutzbar.

    Ärgerlich nur: Mit mencoder mach Xvid konvertierte Fernsehaufnahmen wollte der Mac zunächst nicht abspielen. Hier half VLC und das Perian-Codec-Paket. Fast genauso ärgerlich das bereits oben erwähnte Fehlen von iPhoto. Zwar liegen die Fotos selbst als normale JPEGs im Library-Verzeichnis, die Metainformationen sind jedoch in Datenbankdateien gespeichert. Von einer “Geiselhaft für Fotos” kann man also nicht sprechen, eher davon dass in diesem Fall bei mir Faulheit gegenüber Bastellust gesiegt hat.

    Ein Mac soll ja einfach nur funktionieren.

    Und OS X 10.5 auf dem “alten” G4? Die Oberfläche fühlt sich einen Tick langsamer an, aber viele Details wie der verbesserte Zugriff auf IPP-Drucker und Samba-Shares sowie die an vielen Kleinigkeiten erkennbar bessere Nutzerführung machen die Investition in 10.5 (zumindest gegenüber 10.3) lohnend. Dass wir es mit etwas älterer Hardware zu tun haben, spürt man aber schon etwas: Mehr als 1¼ GB RAM sind nicht drin und beim Abspielen von Videos, die nicht gerade mit “G4-freundlichen” Codecs erstellt wurden, kommt der Prozessor an seine Grenzen. Dennoch: Die Verarbeitung des Rechners ist auch nach heutigen Standards bemerkenswert und als Allerweltsnotebook für unterwegs dürfte das 12er-PowerBook noch ein, zwei Jährchen seinen Dienst tun.

  • Dieses Blog wird bestreikt!

    Nein, nicht wirklich.

    Derzeit ist leider das Arbeitspensum so hoch, dass es kaum zum Bloggen reicht. Tja, das ist das Los eines Selbständigen, der sich in einer recht kleinen Nische bewegt und so für Computerzeitschriften im ganzen Bundesgebiet arbeitet. Wirklich beklagen kann ich mich nicht, mein 2007 lief bislang in jeglicher Hinsicht erfolgreich, aber auch etwas stressig. Ich melde mich wieder, wenn ich etwas Muse habe. Und beim Freundes- und Bekanntenkreis melde ich mich natürlich persönlich.

  • Xen relabelled: Sun xVM

    Nachdem Oracle bereits vor einigen Tagen seine Xen-Version vorgestellt hat, ist endlich Sun dran: Als xVM wird ein modifizierter (?) Xen-Hypervisor angeboten werden, der Solaris-Instanzen ausführen wird. Das Produkt passt hervorragend in Suns Angebotspalette: Wer Solaris virtualisieren wollte, musste bislang zur recht teuren Niagara-Architektur greifen — bei dieser gibt es einen massiv in Hardware unterstützten Hypervisor gratis dazu. Zu Einstiegspreisen ab ca. 3000€ netto bekommt man zwar gut auf I/O und Multithreading optimierte Hardware und die Möglichkeit dutzende Linux- und Solaris gleichzeitig zu starten, muss aber auf x86-Binärkompatibilität verzichten. Daneben bietet Sun mit den Solaris Zones eine Containerlösung, die ähnlich den BSD-Jails, Linux-VServer oder OpenVZ funktioniert — performant aber nicht ideal, es hilft auch nicht, dass man in eine Solaris-Zone dank Linux-ABI einen Linux-Container stecken kann: Es bleibt ein Solaris-Kernel mit allen Eigenheiten.

    Bleibt zu hoffen, dass xVM nicht mit den langsam etablierten Xen-Schnittstellen bricht. Ich möchte in der Lage sein, auf einem normalen Xen eine openSOLARIS-Instanz auszuführen und umgekehrt unter xVM Linux-Instanzen mit xenifiziertem Distributionskernel. Dass ich viel Xen nutze, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Ich durfte in der letzten Zeit so auch die Nachteile von Xen kennenlernen. Insbesondere Wünsche ich mir eine einfache Möglichkeit, leichtgewichtige Virtualisierung (aka Chroot-Erweiterungen) auf schwergewichtiger Virtualisierung (aka Xen) nutzen zu können — und so letztlich mehr aus der Hardware rauszuquetschen als mit Xen und dennoch deutlich flexibler zu sein als nur mit leichtgewichtiger Virtualisierung.

    Scheint, dieser Traum könnte mit openSOLARIS-Zones auf Xen Wirklichkeit werden.

  • Demo in Leipzig

    Am Abend des 6. November fanden bundesweit in 40 Städten Demos gegen die geplante und — seien wir ehrlich — kaum zu verhindernde Vorratsdatenspeicherung statt. Trotz schlechten Wettters fanden sich einige Hundert Demonstranten und eine kleine Hundertschaft Polizei auf dem Augustusplatz ein um gegen die Vorratsdatenspeicherung zu demonstrieren, respektive das Recht der Demonstranten, sich zu einer friedlichen Kundgebung unter freiem Himmel zusammenzufinden, zu verteidigen.

    Beeindruckt hat mich, dass trotz schlechten Wetters fünf- oder sechshundert Demonstranten gekommen waren. Die — vermutlich fußballerprobte — Polizei war anfangs etwas nervös (klar, die einzigen die pünktlich kamen, waren Punks und ihre Hunde), So verzogen sich die Damen und Herren in grün dann auch in ihre wohlig warmen Mannschaftsbusse, lediglich eine Hand voll armer Schweine durfte dem Zug folgen und darauf aufpassen, dass nachträglich angebrachte Nieten linker Lederjacken keine Kratzer an den rechten Außenspiegeln falsch geparkter BMW (natürlich aus Leipziger Produktion) verursachten. Einziger Zwischenfall war die Abführung des gesamten “schwarzen Blockes”, der lediglich aus einer Person bestand und immerhin modisch deutlich stringenter als der Rest der Demo unterwegs war. Nunja, angesichts der Taschenkontrollen auf gefährliche Wurfwaffen (aka Bierflaschen) und der zivilgesellschaftlichen Mehrheit dürfte der zerstreute “schwarze Block” eh wenig Gefährdungspotential dargestellt haben — die Aktion einiger junger Beamter war also eher nutzlos.

    Mein Fazit: Erfreulich, mal wieder einen breiten Querschnitt der Bevölkerung auf der Straße zu sehen, der sich für Freiheitsrechte einsetzt, gegen eine Umkehr der Beweislast kämpft und sich nicht von linken wie von rechten Parolen vereinnahmen lässt.

    Fotos nach dem Link.

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