Blog

  • Via zurück im Netbook-Spiel?

    Via kommt Netbook-Herstellern sprichwörtlich entgegen: Mit dem fertigen Netbook-Motherboard “Via Surfboard” sollen auch Hersteller, die wenig Erfahrung mit dem Aufbau komplexer Systemplatinen haben, vom Netbook-Boom profitieren können. Weil lediglich ein Gehäuse entworfen werden muss, dürften sich auf diesem Board basierende Geräte auch in kleineren Serien lohnen. Denkbar wären beispielsweise “Rugged Netbooks”, mit geringen Änderungen (Verzicht auf das Touchpad auf der Rückseite) auch Tablets mit neun oder zehn Zoll, aber auch einfache Kiosksysteme, bei denen das Netbookboard unter der Tastatur liegt und gleich das Touchpad bereitstellt.

    Wie Vias Vorstoß angenommen wird, bleibt abzuwarten. Der OpenBook-Standard ist zwar eine tolle Idee, wurde aber von der Industrie kaum angenommen. Immerhin hat sich in den letzten Monaten einiges getan: Via hat Harald Welte als OSS-Beauftragten ins Boot geholt und auch die Linux-Treiberunterstützung macht gewaltige Fortschritte. So ist das fertige Mainboard auch für die Hersteller von Billiggeräten, welche die Windows-Lizenz sparen sollen, eine Option.

    Ein wenig skeptisch bin ich hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit der Prozessor-Chipsatz-Kombination: Zwar ist der VX855 mit der MPEG-Hardwarebschleunigung in der Northbridge “HD tauglicher” als der dem Atom meist zur Seite gestellte GMA945/950, als Prozessor selbst wird jedoch noch der C7-M ULV verwendet, der im 90nm-Prozess hergestellt wird (Atom 45nm). Einen stromhungrigen Prozessor steht also ein recht leistungstarker und sparsamer Chipsatz zur Seite — beim Atom ist es noch genau umgekehrt.

    Update, 20. März 2009: Auf YouTube findet sich ein Video von HowtoBeMobile.com, in dem das Board vorgestellt und in der Praxis demonstriert wird: (more…)

  • Hardware, die saugt — heute: Broadcom 4312

    Weil EeePC und Akoya derzeit als Testumgebung benutzt werden und ein ständiges Hin- und Her-Imagen mit Test- und Produktivsystemen nervig und zeitaufwendig ist, habe ich bei einem Billigangebot in Form eines HP2133 zugeschlagen. Das Gerät ist gut verarbeitet, hat eine 1,8-Zoll-Festplatte und erreicht unter Linux auch passable Akkulaufzeiten. Und vor allem ist es so exotisch, dass kaum Gefahr besteht, dass es als Testumgebung mißbraucht wird.

    Installiert habe ich Ubuntu 9.04 (Jaunty) Alpha 6, natürlich per Netinstall, schließlich wird der Broadcom Tigon bereits von der Installations-Initrd unterstützt. Handarbeit war bei der xorg.conf notwendig, da auch mit dem Openchrome-Treiber X dachte, das Panel habe 1366×768 Pixel Auflösung. Die xorg.conf reiche ich nach kann hier heruntergeladen werden. Auch Sound funktioniert einwandfrei, die Webcam habe ich noch nicht getestet ebenso.

    Ärgerlich ist die WLAN-Karte Broadcom BCM4312

    PCIID: 14e4:4315

    die weder vom bc43-Treiber des Kernels erkannt wird, noch von dem von Ubuntu mitinstallierten wl.ko, noch von einem selbstgebauten wl.ko von Broadcoms Webseite. Auch mit Ndiswrapper kein Erfolg. Einmal konnte ich einige Sekunden lang pingen — nachdem ich direkt von Windows nach Linux mit wl.ko gebootet habe. Auf einem cleanen System (Akku raus und Stützkondensatoren leeren vor dem Anschalten) ging gar nix.

    Ich bin am Überlegen, ob ich die 30 Euro in eine gescheite Mini-PCI(e)-WLAN-Karte investieren will, schrecke aber ein wenig davor zurück, das ganze HP2133 zu zerlegen, um an die unter dem Motherboard verbaute Karte heranzukommen. Sinnvoll wäre es vielleicht schon angesichts der auch unter XP schlechten Empfangsleistung.

    Vielleicht hat jemand eine Idee, eine Version des STA-Treibers, die mit bestimmten Kernelversionen harmoniert (notfalls Vanilla 2.6.27 oder 2.6.29-RC) oder einen Treiber, der sich mit Ndiswrapper ohne Probleme verwenden lässt? Ansonsten werde ich wohl noch ein paar Tage auf WLAN verzichten (nicht wild, weil das Gerät eh im Außeneinsatz verwendet wird) und mich dann ans Zerlegen machen.

    Update, 19. März: Gleiches Problem mit 2.6.27.20 und Broadcoms Binärtreiber (ja, die als Source veröffentliche Layer ist ziemlich dünn) 5.10.79.10: Beim Insmod bekomme ich in der Ausgabe von “dmesg” einen “Error 13”. To be continued, zunächst stehen andere Baustellen auf dem Programm.

  • Busybox-Merkwürdigkeiten

    Kann sich jemand dieses verhalten der Shell ash der Busybox erklären?

    http://images.mattiasschlenker.de/blog.rootserverexperiment.de/20090307_busybox_ash.png

    Zweimal wird mit Backticks die Ausgabe eines Befehls in eine Variable eingelesen. Einmal ein simples echo, einmal ein ganzes Script, das ein paar verschachtelte if und case hat. Beim einfachen echo evaluiert grep korrekt zu true, beim Script nicht.

    Ich habe jetzt einen Workaround, bei dem ich nicht per Übergabe eines Parameters die Startup-Scripte sagen lasse, was sie tun, sondern verwende speziell formatierte Kommentare, die ich direkt greppe. Das ganze ist Teil eines etwas umfangreicheren, modularen Mini-Linux, an dem ich gerade arbeite — mehr dazu in den nächsten Tagen.

    Wer mit meinem Build der Busybox spielen möchte: busybox-1.13.2-static-ulibc-i686.tar.gz

  • Post aus Finnland!

    Vor ein paar Tagen kam dieser Umschlag mit einer CD voller MP3s mit finnischem Tango — Stücken, die man hierzulande nicht findet und die von schräg über melancholisch bis fast-argentinisch gehen:

    Wie komme ich dazu, mir von einem finnischen Outdoor-Laden Tangos schicken zu lassen? Ganz einfach. Samu Laine, ein Ringlé- und Klein-Fan wurde auf mein Blog-Posting mit der kaputten Ringlé-Nabe aufmerksam und fragte mich, ob er Einzelteile haben könnte. Klar konnte er:

    Dieses Fahrrad wird dann bald wieder korrekt in Ringlé-Blau erstrahlen:

    Samu betreibt übrigens die Site oldklein.com, die sich komplett den Kleins aus der guten alten Zeit, also der Hochzeit des Sports bis Mitte der 1990er widmet — Bike-pr0n at it’s best! Ich selbst habe mir ja nie ein Klein gegönnt, nach dem Surfen auf Samus Site hätte ich aber schon Lust, beim Händler nebenan mal zu stöbern…

  • Linux: Verschlüsselte und komprimierte Backups auf DVD

    Ich sichere nach wie vor geschäftsrelevante Daten auf DVD, allerdings stellte mich keine der fertigen Lösungen vollkommen zufrieden. Meine Anforderungen:

    • Starke Verschlüsselung: Das Backup muss sicherer sein als diese unsägliche ZIP-Verschlüsselung hinreichend sicher sein und ein statistischer Angriff soll keinen Erfolg versprechen.

    • Gute Komprimierung: Ich möchte in kurzer Zeit das Backup klein eindampfen können und beim Zugriff effizient entpacken, also nur die Dateien, die ich benötige.

    • Mountbares Backup: Ganz ohne vorheriges Entpacken soll ein sofortiger Zugriff auf alle Dateien im Backup möglich sein.

    • Keine unverschlüsselten temporären Dateien: Weder beim Packen noch beim Entpacken sollen unverschlüsselte temporäre Dateien anfallen, einerseits aus Sicherheitsgründen, andererseits weil eine temporäre Datei auf einem zufällig verschlüsselten Dateisystem Prozessorlast erzeugt.

    Bis vor kurzem habe ich einfach Archive mit Tarballs mit Twofish verschlüsselt (openssl bietet ein komfortables Subkommando) und diese auf DVD gebrannt. Neben den oben genannten Nachteilen kam das Problem dazu, dass auf einem ISO-9660-Dateisystem die Dateigrößengrenze bei 2GB lag.

    Meine Lösung sah eine Kombination aus bekannten Technologien vor: Eine Containerdatei sollte per losetup zum blockorientierten Gerät mutieren, dort wiederum sollte mit cryptsetup ein verschlüsselter Datenträger entstehen, der wiederum ein komprimiertes Squashfs-Dateisystem aufnehmen sollte. Klingt kompliziert? Ist es aber nicht:

    Benötigt werden die im Tutorial /home reisetauglich verschlüsselt erwähnten Pakete und die squashfs-tools sowie SquashFS-Module für den laufenden Kernel. (more…)

  • Erst Fakten, dann Gesetze — von der Leyen und lustige Ideen für ein sauberes Netz

    Da haben sich also Vertreter der größten Internetprovider mit Frau von der Leyen getroffen und beschlossen, dass deutsche Surfer in Zukunft keinen Zugriff auf Kinderpornografie mehr haben werden. Ab Ende Februar ist es soweit: Die großen Provider verpflichten sich selbst, nach Sperrlisten des BKAs zu filtern. Weil die Familienministerin es so will und aufmüpfige Provider schnell den Ruf weghätten, Kinderpornografie Vorschub zu leisten, werden wir in weniger als vier Wochen ein zensiertes Web haben — ohne Rechtsgrundlage und mit fragwürdigem Nutzen.

    Ich werde in diesem Artikel darauf eingehen, warum die von den Providern zugesagte Lösung die denkbar schlechteste aller Möglichkeiten ist: Sie kann leicht umgangen werden, hat massive Kollateralschäden zur Folge und es fehlt ihr die nötige Transparenz, die zur Kontrolle und gegebenenfalls der gerichtlichen Überprüfung der Sperrlisten notwendig ist. (more…)

  • Randnotizen, 30. Januar 2009: Intels Hang zu Linux, russische Betriebssysteme, Mobiltelefone

    Wieder ist mehr Zeit ins Land gegangen, als ich eigentlich zulassen wollte. 2009 fängt genauso arbeitsreich an wie 2008 aufgehört hat. Immerhin sind langsam die Früchte eines sehr stressigen Dezembers erkennbar: Seit heute ist das bei Data-Becker erschienene Sonderheft WordPress am Kiosk, an dem ich ein wenig mitgearbeitet habe.

    Und sonst? (more…)

  • Schrott flott?

    Das ist beim Aufräumen im Büro angefallen:

    Die Gegenstände im einzelnen: (more…)

  • Dreimal Windows — und keines weiss vom anderen

    OK, ein beinahe reines Windows-Thema ist ungewöhnlich hier. Aber ich habe gerade viele Leser aus dem Windows-Umfeld, denen es weiterhilft, wenn Sie wissen, wie man mit einer Linux-Live-CD und dem Bootloader GRUB seine Windows-Installationen besser in den Griff bekommt. Darum im Tool der Woche: GRUB und fdisk.

    Wer Windows in der von Microsoft vorgesehenen Reihenfolge — erst XP, dann Vista, dann 7 — installiert, wird selten Probleme bekommen: Jedes Windows erkennt seine Vorgänger und bindet diese in den eigenen Bootloader ein. Trickserei ist aber gefragt, wenn kein Windows vom anderen Kenntnis haben soll oder man zu jeder Zeit ein beliebiges Windows durch eine Neuinstallation ersetzen möchte. Der Standard-Bootmanager von Windows scheitert hieran, Abhilfe schafft der kostenlose und von Linux-Distributionen bekannte GRUB. Netter Nebeneffekt meiner Lösung: Jedes Windows hat den Laufwerksbuchstaben C: für die Systempartition.

    Im folgenden b eschreibe ich, wie man Windows XP, Windows Vista und Windows 7 unabhängig voneinnader installiert. Je nach Bedarf können Sie auch zweimal XP und einmal 7 installieren oder die Reihenfolge variieren. Einzige Einschränkung ist die Limitation bootfähiger Windows-Versionen auf drei, was durch die maximale Anzahl an primären Partitionen bedingt ist. Wer GRUB auf eine zweite Festplatte, Diskette, USB-Stick oder CD auslagert, kommt auf vier.

    Als Werkzeugkiste kommt eine Sidux-Live-CD in Version 2008-04 zum Einsatz. Im Prinzip sollte es jede Live-CD tun, die Gparted und fdisk mitbringt. Schlimmstenfalls sind auf Grund anderer Mountpoints etc. einige Parameter anders einzugeben.

    (more…)

  • Der Pranger der GVU

    Bislang dachte ich, dass gerade bei Menschen, die kleinere Straftaten begehen, eine Verurteilung ein Schuß vor den Bug sein sollte und die Verurteilung einem nicht ewig anhängen sollte. Vorher fand ich das im Leipziger Amtsblatt:

    Offenbar hat man mit dem §111 Urhg den Pranger wieder eingeführt:

    Wird in den Fällen der §§ 106 bis 108b auf Strafe erkannt, so ist, wenn der Verletzte es beantragt und ein berechtigtes Interesse daran dartut, anzuordnen, daß die Verurteilung auf Verlangen öffentlich bekanntgemacht wird. 2Die Art der Bekanntmachung ist im Urteil zu bestimmen.

    Die Öffentlichkeit erfährt also nicht nur, dass Frank S. wegen Urheberrechtsverletzungen zu 50 Tagessätzen verurteilt wurde (die Zahl der Tagessätze und die erwähnten Paragraphen sehen nach intensiver Tauschbörsennutzung aus), sondern aus der Höhe auch dass Herr S. auch von nur rund 300 Euro im Monat leben muss. Mich würde nun wirklich interessieren…

    1. …ob es derartige Prangerparagraphen auch bei anderen Straftaten gibt?

    2. …wie häufig die GVU oder Rechteinhaber die Anwendung des §111 fordern und wie oft Gerichte dieser zustimmen?